Was Wirklich Zählt: Vom Messen des Fortschritts zum Erleben der Zukunft
- daniel.moraes
- vor 13 Minuten
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Wie der Genuine Progress Index, der Genuine Wealth Index und Impact Gaming im 4FuturesLab zusammengefunden haben
Was wirklich zählt?

Diese Frage begleitet die Menschheit, seit Gesellschaften sich rund um Arbeit, Wohlstand und Macht organisiert haben.
Heute, angesichts des Klimazusammenbruchs, der gesellschaftlichen Fragmentierung und des wachsenden Misstrauens gegenüber politischen und wirtschaftlichen Institutionen, ist diese Frage erneut unausweichlich geworden.
Sie ist auch der Titel eines wegweisenden Buches von Dr. Ronald Colman, dem Entwickler des Genuine Progress Index (GPI), eines Ansatzes, der die Dominanz des BIP infrage stellt und eine weitaus bedeutungsvollere Frage stellt:
Erzielen wir tatsächlich Fortschritte auf eine Weise, die das menschliche Wohlergehen verbessert und die lebenden Systeme schützt, von denen wir abhängig sind?
Im 4FuturesLab – Impact Mapping & Gaming, das von Generation iTrust während des Stiftung Entrepreneurship Summit veranstaltet wurde, wurde diese Frage zum Leitfaden für eine gemeinsame Erkundung der Zukunft. Nicht als abstrakte Debatte, sondern als gelebte Erfahrung durch Mapping, Dialog und Spiel.
Dieser Blog erzählt die Geschichte davon, wie wir dort angekommen sind, warum es wichtig ist und wie scheinbar unterschiedliche Elemente wie Indizes, Spiele, Bürgerbeteiligung, Unternehmertum und Demokratie eine zusammenhängende Bewegung hin zu echtem Fortschritt bilden.
Warum das BIP nicht mehr ausreicht
Seit Jahrzehnten dient das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als zentraler Erfolgsindikator. Regierungen steigen mit ihm auf und fallen mit ihm. Unternehmen optimieren darauf. Medienüberschriften feiern oder beklagen seine Entwicklung.
Doch das BIP misst nur eines: den monetären Wert von Markttransaktionen. Es unterscheidet nicht zwischen Aktivitäten, die heilen, und Aktivitäten, die schaden. Ein Verkehrsunfall erhöht das BIP. Burnout erhöht das BIP. Auf Umweltzerstörung folgende Aufräumarbeiten erhöhen das BIP.
Das BIP fragt nicht, ob Menschen gesund sind, ob Gemeinschaften widerstandsfähig sind, ob sich Ökosysteme regenerieren oder ob zukünftige Generationen geschützt werden.
Dieser blinde Fleck ist gefährlich geworden.
Der Genuine Progress Index: Eine andere Frage stellen
Der Genuine Progress Index (GPI) entstand als Antwort auf dieses Problem. In seiner fortgeschrittensten Form von Ronald Colman über GPI Atlantic entwickelt, baut er auf ökologischer Ökonomie und sozialer Rechnungslegung auf, um eine grundlegend andere Frage zu beantworten:
Nicht: „Wie viel haben wir produziert?“
Sondern: „Haben wir auf eine Weise Fortschritte gemacht, die das Leben und die Ökosysteme tatsächlich verbessert?“

Der GPI führt eine Netto-Bilanzierungslogik ein. Er misst positive Beiträge wie Bildung, unbezahlte Pflegearbeit, ehrenamtliches Engagement und gesunde Ökosysteme gemeinsam mit negativen Kosten wie Umweltverschmutzung, Ungleichheit, Überarbeitung und gesellschaftlicher Desintegration.
Entscheidend ist, dass der GPI nicht alles in einer einzigen Zahl zusammenfasst. Stattdessen führt er getrennte, aber miteinander verbundene Bilanzen über wirtschaftliche, soziale und ökologische Bereiche. Dadurch werden Zielkonflikte sichtbar und politisch diskutierbar, anstatt sie hinter Durchschnittswerten zu verbergen.
In seinem Buch Was Wirklich Zählt zeigt Ronald Colman, dass sich ein bemerkenswertes Muster ergibt, wenn diese Faktoren ernst genommen werden: Während das BIP weiter gestiegen ist, stagnierte oder sank der tatsächliche Fortschritt in vielen industrialisierten Gesellschaften.
Vom Messen des Fortschritts zur Gestaltung von Veränderung
Im Laufe der Jahre wurde sowohl in der Forschung als auch in der Praxis eine Erkenntnis immer deutlicher:
Messung allein schafft keine Transformation.

Selbst wenn Gesellschaften wissen, dass das BIP irreführend ist, handeln sie weiterhin so, als wäre es das oberste Ziel. Selbst wenn Menschen Klimawissenschaft, Ungleichheit und ökologische Grenzen verstehen, bleibt ihr Verhalten häufig unverändert.
Im 4FuturesLab wurde dieses Paradoxon in einem einfachen Satz zusammengefasst, der sich durch die gesamte Veranstaltung zog:
Even if we know, we don’t change.
Warum?
Weil Veränderung nicht nur eine Frage von Informationen ist. Sie ist eine Frage von Denkmustern, Emotionen, Gewohnheiten, Anreizen und gelebter Erfahrung.
Der Genuine Wealth Index: Vom Fortschritt zur Praxis
Hier begann Generation iTrust, die GPI-Logik weiterzuentwickeln.
Aufbauend auf GPI Atlantic und im engen Dialog mit der Arbeit von Ronald Colman wird der Genuine Wealth Index (GWI), auch als Gemeinwohl Index bezeichnet, als nächster evolutionärer Schritt entwickelt.

Der GWI überträgt die Bilanzierungslogik des GPI in einen partizipativen, urbanen und lernorientierten Rahmen. Er wurde nicht nur entwickelt, um Ergebnisse zu bewerten, sondern um Transformationsprozesse auf der Ebene zu unterstützen, auf der Veränderung tatsächlich stattfindet: in Städten, Stadtteilen, Organisationen und Gemeinschaften.
Der GWI integriert klassische GPI-Bereiche mit zusätzlichen Dimensionen, die aktuelle Herausforderungen der Transformation widerspiegeln:
innere Entwicklung und Veränderung von Denkmustern
soziales Vertrauen und Zusammenarbeit
Bürgerbeteiligung und demokratische Handlungsfähigkeit
regenerative und auf Suffizienz ausgerichtete Praktiken
In Berlin wird der GWI als Messgrundlage von Neustart Berlin entwickelt und verbindet Bürgerbeteiligung, lokale Verwaltung, Impact-Unternehmertum und Klimaschutz zu einem kohärenten System.
Vom Index zur Erfahrung: Celebrate the Planet & KiezRebellen
Dennoch prägte eine weitere Erkenntnis die Arbeit von Generation iTrust:
Wenn Fortschritt real werden soll, muss er erlebt und nicht nur berechnet werden.
Diese Erkenntnis führte zur Entwicklung von Formaten wie Celebrate the Planet und KiezRebellen. Diese Initiativen werden häufig als Veranstaltungen oder Spiele betrachtet, sind in Wirklichkeit jedoch gelebte Ausdrucksformen der GWI-Logik.

Sie übersetzen abstrakte Ideen wie Suffizienz, Subsidiarität und Regeneration in verkörperte Erfahrung. Die Teilnehmenden diskutieren Nachhaltigkeit nicht; sie leben sie. Sie analysieren Zielkonflikte nicht; sie spüren sie.
Auf diese Weise verändert sich das Lernen:
von Information zu Erfahrung
von Überzeugung zu Verkörperung
von individueller Erkenntnis zu kollektiver Bedeutung
Impact Mapping: Das System hinter unserem Handeln erkennen
Im 4FuturesLab wurde dieser erfahrungsorientierte Ansatz durch Impact Mapping vertieft.
Impact Mapping ist ein visuelles, kollaboratives Strategiewerkzeug, das Menschen dabei unterstützt zu verstehen, wie:
persönliche Absichten
organisatorische Entscheidungen
politische Rahmenbedingungen
innerhalb komplexer Systeme miteinander interagieren.
Anstelle eines linearen Ursache-Wirkungs-Denkens macht Impact Mapping Interdependenzen sichtbar. Es verbindet die innere Ebene, also Werte und Motivationen, mit der kollektiven Ebene, also Praktiken und Institutionen, und der systemischen Ebene, also Ergebnissen und Indikatoren.
Im Kontext des GWI wird Impact Mapping zu einer Übersetzungsebene, die gelebte Erfahrung mit messbarer Wirkung verbindet.
Serious Gaming: Die Zukunft spielerisch lernen
Der nächste Schritt ist Serious Impact Gaming
Serious Games nutzen Simulation, Rollenspiele und Szenariodesign, damit Teilnehmende reale Systeme sicher erkunden können. Sie machen Komplexität greifbar. Sie umgehen den Widerstand gegenüber abstrakter Politik. Sie verwandeln Gegner in Mitspieler.
Im 4FuturesLab zeigte das Gaming, wie schnell sich Perspektiven verändern können, wenn Menschen Konsequenzen direkt erleben, anstatt über sie zu diskutieren.
Wirtschaftliche Zielkonflikte, Klimapfade, Governance-Entscheidungen und gesellschaftliche Dynamiken werden sichtbar, emotional erfahrbar und diskutierbar. Lernen findet schneller statt, nicht weil es vereinfacht wird, sondern weil es verkörpert wird.
Das 4FuturesLab: Wo alles zusammenkam
Das 4FuturesLab – Impact Mapping & Gaming, das im Rahmen des Stiftung Entrepreneurship Summit veranstaltet wurde, brachte all diese Elemente zusammen:
die konzeptionelle Klarheit des GPI
den partizipativen Anspruch des GWI
die erfahrungsorientierten Formate von Celebrate the Planet und KiezRebellen
die systemische Perspektive von Impact Mapping
die transformative Kraft von Serious Gaming
Unternehmer, Verwaltungsmitarbeitende, Forschende und Bürger erkundeten Zukunft nicht als Zuschauer, sondern als Teilnehmende.
Das Lab lieferte keine endgültigen Antworten. Es schuf etwas Wertvolleres: ein gemeinsames Verständnis davon, was wirklich zählt, sowie eine Reihe von Werkzeugen, um dies hier und jetzt zu leben.
Von Wachstum zu echtem Fortschritt
Wie uns die Arbeit von Ronald Colman in Erinnerung ruft, geht es bei Fortschritt nicht um Anhäufung. Es geht um Zeit, Fürsorge, Beziehungen, Vertrauen und ökologische Integrität.
Bei Generation iTrust wird dieses Bedürfnis in Indizes, Spiele, Maps und bürgerschaftliche Praktiken übersetzt, nicht als Selbstzweck, sondern als Einladung zu einer anderen Zukunft.
Eine Zukunft, in der Fortschritt ehrlich gemessen wird. In der Wohlstand wirklich verstanden wird. Und in der Veränderung durch Tun gelernt wird.
Was wirklich zählt, ist keine abstrakte Frage mehr.
Es wird zu einer gemeinsamen Praxis.



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