Wenn ein Paper seinen Weg findet — auch ohne seinen Autor
- leberecht3
- 4. Juni
- 4 Min. Lesezeit
Reflexionen zur GROUFES 2026, Magdeburg & der VRA als Orientierungsrahmen für Futures Literacy und Entrepreneurial Life Design
Von Marc Leberecht-Schneider | 4FuturesLab
Anfang Mai 2026 wurde der Unicampus in Magdeburg zu etwas Seltenem: einem echten internationalen Forum, in dem Bildung, Nachhaltigkeit und Transformation nicht nur diskutiert — sondern gelebt wurden. Über 100 Forschende, Lehrende und Praktizierende aus aller Welt kamen zur zweitägigen Konferenz „Growing up the Future: Education for Sustainability" (GROUFES) zusammen, ausgerichtet von der EUGREEN-Allianz an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.
Ich hätte dabei sein sollen.
Mein Paper — „From Gamification to Serious Gaming: A Toolbox for Mindset-Oriented Teacher Training in Sustainability and Futures Literacy" — war für Panel 6 angenommen worden, das sich der Frage widmete, wie Lehrerausbildungsprogramme Nachhaltigkeitskompetenzen und transformatives Bewusstsein fördern können. Ich hatte mich wirklich auf die Paneldiskussion gefreut, auf den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus Forschung und Praxis — und auf die Energie, die entsteht, wenn Menschen, denen die Zukunft wirklich am Herzen liegt, in einem Raum zusammenkommen.
Dann kam das Leben dazwischen. Ein familiärer Anlass machte eine Teilnahme unmöglich.
Und dennoch — die Ideen sind gereist. Ohne mich.
Was GROUFES war
Die Konferenz widmete sich einer der drängendsten Fragen unserer Zeit: Wie können Schulen, Universitäten und Bildungseinrichtungen Menschen dabei helfen, eine Welt zu navigieren — und zu gestalten —, die von Klimawandel, Digitalisierung, Biodiversitätsverlust, Migration, Ungleichheit und wachsender Zukunftsangst geprägt ist?
Drei Keynote-Speaker setzten den Ton:
Timothy Ingold erinnerte das Publikum daran, dass jede Universität, die diesen Namen verdient, auf Freiheit, Vertrauen, Bildung und Gemeinschaft gebaut sein muss.
Prof. Dr. Michael Böcher schlug vor, Politik als vierte Säule der Nachhaltigkeit anzuerkennen — neben Ökologie, Wirtschaft und sozialem Zusammenhalt.
Prof. Dr. Eva Ärlemalm-Hagsér machte deutlich, dass Lehrende und Lehrerausbildende auf allen Ebenen des Bildungssystems zu den wirkungsvollsten Akteuren transformativen Wandels in Richtung Nachhaltigkeit gehören.
Acht thematische Panels, Workshops, Outdoor-Aktivitäten und Future Research Forums rundeten ein Programm ab, das so vielfältig war wie die Herausforderungen, denen es begegnen wollte.
Die Kernbotschaft, die ich mitgebracht hätte
Mein Beitrag war in einer Überzeugung verwurzelt, die ich in jeden Workshop, jeden Kurs und jedes Coaching-Gespräch mitbringe:
Futures Literacy und Entrepreneurial Life Design brauchen einen Orientierungsrahmen — nicht nur Werkzeuge, nicht nur Methoden, sondern einen Kompass.
Dieser Kompass ist in meiner Arbeit der VRA — Value Recognition Approach (auf Deutsch: WOOP!E — Werteorientierte Organisations- und Persönlichkeitsentwicklung).
Der VRA ist kein Regelwerk. Er ist ein Erfahrungsweg — einer, der mit drei grundlegenden Fragen beginnt:
Was treibt mich an? — Motivation klären, nicht als einmalige Übung, sondern als fortlaufende Praxis.
In welchem Mindset befinde ich mich gerade? — Erkennen, ob ich im Überlebensmodus, im Leistungsmodus oder in einem integrierten, regenerativen Bewusstseinszustand agiere.
Was braucht dieser Moment? — Ein Recharge, um Energie und Klarheit wiederherzustellen? Oder sogar ein Reset, um loszulassen, was nicht mehr dient, und Raum für etwas wirklich Neues zu öffnen?
Warum Mindset wichtiger ist als Methode
In der Lehrerausbildung — und im Life Design insgesamt — greifen wir oft zu Werkzeugen, bevor wir verstehen, aus welchem Zustand heraus wir handeln. Wir gamifizieren, wir mappen, wir designen — und fragen uns dann, warum die Wirkung nicht anhält.
Der VRA kehrt diese Reihenfolge um. Er fragt: Bevor wir handeln — wer handelt da eigentlich?
Eine Lehrperson im Überlebensmodus wird selbst das innovativste Werkzeug defensiv einsetzen — um die Stunde zu überstehen, nicht um Köpfe zu öffnen.
Eine Lehrperson im Leistungsmodus liefert vielleicht brillant ab, aber die tiefere Transformation — in sich selbst und in den Lernenden — bleibt außer Reichweite.
Eine Lehrperson, die die innere Arbeit getan hat — die ihre Werte geklärt, ihre Motivation erkannt und ihr Mindset bewusst gewählt hat — wird zu etwas anderem: einem Facilitator of Transformation.
Genau das erkundete Panel 6 bei GROUFES: Wie können Lehrerausbildungsprogramme so gestaltet werden, dass sie nicht nur Kompetenzen fördern, sondern die inneren Bedingungen, aus denen heraus diese Kompetenzen lebendig und bedeutsam werden?
Gamification als Einstieg — nicht als Ziel
Mein Paper schlug einen modularen Weg vor:
Climate Fresk als gamifizierter Einstiegspunkt — emotional ansprechend, systemorientiert, zugänglich.
Impact Mapping und Serious-Gaming-Formate mit Bezug zum European Green Deal — Vertiefung des Verständnisses durch Co-Creation, Narrativ und Handlungsorientierung.
Alles eingebettet in den VRA-Rahmen, abgestimmt auf GreenComp, die Futures Literacy Labs der UNESCO und die Inner Development Goals (IDGs).
Die zentrale Erkenntnis: Gamification und Serious Gaming sind keine Randaktivitäten. Wenn sie mit Intention gestaltet und in einem wertebasierten Rahmen verankert sind, werden sie zu Mindset-Katalysatoren — sie helfen Lehrenden, von der Wissensvermittlung zur echten Transformationsbegleitung zu gelangen.
Ein verpasstes Gespräch — und eine offene Einladung
Nicht in Magdeburg zu sein bedeutete, die Paneldiskussion zu verpassen, die Fragen aus dem Publikum, die informellen Gespräche beim Kaffee, die oft den tiefsten Erkenntnisgehalt tragen. Das ist ein echter Verlust — und ich benenne ihn ehrlich.
Aber die Ideen sind nicht verloren. Sie sind, wenn überhaupt, lebendiger geworden — weil sie an der Realität des Unvorhersehbaren gemessen wurden. Denn genau das lehrt der VRA: Die Lücke zwischen Absicht und Wirklichkeit ist kein Scheitern — sie ist der Lernraum.
Wenn du bei GROUFES warst und dich mit diesen Fragen beschäftigt hast — oder wenn du an der Schnittstelle von Futures Literacy, Lehrerausbildung und regenerativer Bildung arbeitest — freue ich mich sehr, das Gespräch fortzusetzen.
Die Zukunft der Bildung entsteht nicht allein in Konferenzsälen. Sie entsteht in den kleinen, ehrlichen Momenten, in denen Lehrende sich fragen: Wer bin ich gerade? Und ist das, wer dieser Moment von mir braucht?
Über den Autor
Marc Leberecht-Schneider ist Impact Entrepreneur und Chief Innovation Officer des 4FuturesLab — Das 1×1 der Möglichkeiten. Zukunft erlebbar machen.
Er arbeitet an der Schnittstelle von Futures Literacy, Conscious Leadership und Entrepreneurial Life Design und begleitet Menschen, Organisationen und Kommunen dabei, die inneren und äußeren Kapazitäten für regenerative Transformation zu entwickeln. Seine Arbeit gründet auf 12 Jahren Führungserfahrung in der Wirtschaft, 12 Jahren kontemplativer Praxis sowie seinem fortlaufenden Engagement als Impact Entrepreneur und Educator.
📩 Kontakt über 4FuturesLab | Konferenz: GROUFES 2026 Event Recap
Ausgewählte Konferenzbeiträge werden im Herbst 2026 in den GROUFES Conference Proceedings bei Atlantis Press/Springer Open Access veröffentlicht.


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